Was gibt es da zu verstehen?

von Evi Simeoni — FAZ — 30. Juli 2011

Iranische Sportler boykottieren immer wieder Israelis – auch bei der Schwimm-WM in Schanghai. Das IOC schweigt weiter. Und schlägt sich damit auf die Seite der Boykotteure.

Das Internationale Olympische Komitee (IOC) und die Weltverbände sollten aufhören, ihre Augen vor einem politisch motivierten Sportboykott zu verschließen, den Iran seit vielen Jahren in aller Öffentlichkeit ausübt. Da Iran den Staat Israel nicht anerkennt, verbietet es seinen Sportlern, gegen Athleten aus diesem Land anzutreten, und zwingt sie, die Verbände und die olympische Familie über den wahren Hintergrund ihres Rückzugs zu belügen. Je länger die Liste der Fälle wird, desto peinlicher wird die Vogel-Strauß-Politik der Sportorganisationen, die immer wieder öffentlich erklären, sie glaubten die fadenscheinigen Begründungen der Boykotteure. Auch bei den Schwimmweltmeisterschaften in Schanghai wurde gerade wieder ein israelischer Sportler von einem iranischen Gegner diskriminiert. Mohamed Alirezaei weigerte sich, zu seinem Vorlauf über 100 Meter Brust anzutreten, bei dem er das Wasser mit dem Israeli Gal Nevo hätte teilen müssen. Sein Trainer sagte, der Sportler sei erschöpft.

Das Internationale Olympische Komitee (IOC) und die Weltverbände sollten aufhören, ihre Augen vor einem politisch motivierten Sportboykott zu verschließen, den Iran seit vielen Jahren in aller Öffentlichkeit ausübt. Da Iran den Staat Israel nicht anerkennt, verbietet es seinen Sportlern, gegen Athleten aus diesem Land anzutreten, und zwingt sie, die Verbände und die olympische Familie über den wahren Hintergrund ihres Rückzugs zu belügen.

Je länger die Liste der Fälle wird, desto peinlicher wird die Vogel-Strauß-Politik der Sportorganisationen, die immer wieder öffentlich erklären, sie glaubten die fadenscheinigen Begründungen der Boykotteure. Auch bei den Schwimmweltmeisterschaften in Schanghai wurde gerade wieder ein israelischer Sportler von einem iranischen Gegner diskriminiert. Mohamed Alirezaei weigerte sich, zu seinem Vorlauf über 100 Meter Brust anzutreten, bei dem er das Wasser mit dem Israeli Gal Nevo hätte teilen müssen. Sein Trainer sagte, der Sportler sei erschöpft.

Mit der gleichen Erklärung hatte Alirezaei bereits vor drei Jahren, bei den Olympischen Spielen in Peking, auf seinen Vorlauf verzichtet, wo er auf den Israeli Tom Beeri getroffen wäre. Er behauptete damals wie heute, sein Rückzug habe keinen politischen Hintergrund. Das IOC hielt die Erklärung damals für akzeptabel. Der Internationale Schwimmverband schiebt das Problem nun vor sich her, ein Sprecher sagt, er wolle die Situation „erst verstehen“.

Immer wieder die gleiche Leier

Die israelischen Sportler haben alles Recht, zu fragen, was es da eigentlich noch zu „verstehen“ geben soll. Wann werden sich die Sportorganisationen, die angeblich jede politische Einflussnahme zurückweisen, endlich dem Problem stellen? Anderen Ländern wird schon mit Ausschluss aus der olympischen Familie gedroht, wenn ihr Sportgesetz die Altersgrenze von Funktionären beschränkt. Im Fall Irans, wo massiv gegen die fundamentalen Prinzipien der olympischen Charta verstoßen wird, akzeptieren die hohen Funktionäre immer wieder dieselbe scheinheilige Leier.

Bei den Olympischen Jugendspielen (für Vierzehn- bis Achtzehnjährige) vergangenes Jahr in Singapur zum Beispiel musste sich der Iraner Mohammed Soleimani vom Taekwondo-Finale zurückziehen – offiziell wegen einer Verletzung. Auch der Siegerehrung, wo er auf das gleiche Podest wie der israelische Goldmedaillengewinner hätte steigen und Fahne und Hymne akzeptieren müssen, blieb der junge Iraner fern. Das IOC, das ihn wegen Missachtung des Protokolls hätte belangen können, nahm die Sache hin.

Das IOC schweigt

Es wäre sicher auch falsch, allein die iranischen Sportler für die Boykottpolitik ihrer Regierung büßen zu lassen. Sie stecken in einer Zwangslage und werden für antisemitische Demonstrationen missbraucht. Außerhalb des Protokolls haben betroffene Athleten sich allerdings auch schon damit gebrüstet, die Rechte Palästinas verteidigt zu haben. Ronald Lauder, der Präsident des Jüdischen Weltkongresses, hat das IOC nun aufgefordert, Iran so lange von Olympischen Spielen auszuschließen, bis das Land seinen Sportlern erlaubt, gegen Israelis anzutreten.

Das IOC schweigt dazu. Inzwischen aber hat sich die Lage so zugespitzt, dass auch Nichtstun zu einer politischen Aussage wird. Wenn die Olympier und die Weltverbände weiter tatenlos der Brüskierung der israelischen Athleten zusehen, ergreifen sie die Partei der Boykotteure.

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